Warum Gruppe?
Es gibt viele gute Gründe für eine Gruppentherapie.
Ein ganz praktischer Grund ist der steigende Bedarf an Psychotherapie. In einer Gruppentherapie kann gleichzeitig mehreren Menschen geholfen werden. Gruppentherapie hilft also dabei, Wartezeiten auf einen Behandlungsplatz zu verkürzen.
Ein anderer Punkt ist die Wirksamkeit: Gruppentherapien sind für die allermeisten psychischen Erkrankungen ebenso wirksam wie Einzeltherapie.
Und schließlich bietet eine Gruppentherapie Vorteile, die eine Einzeltherapie nicht hat: Die Erfahrung, von anderen Menschen, die ähnliche oder auch ganz andere Probleme haben, verstanden zu werden und voneinander zu lernen.
Vorbehalte gegenüber Gruppentherapie
Viele Menschen können sich unter einer Gruppentherapie nichts vorstellen. Sie haben Sorge, sich gegenüber Fremden zu öffnen, oder fürchten, nicht verstanden zu werden. Manchmal taucht auch die Vorstellung auf, durch die Erlebnisse der Anderen zusätzlich belastet zu werden, oder selbst nicht genügend Raum zu bekommen.
Häufig geben solche Sorgen bereits einen Hinweis auf das, was einem persönlich in zwischenmenschlichen Beziehungen schwer fällt. Vielleicht wurde in der Herkunftsfamilie wenig über Gefühle gesprochen. Vielleicht wurden schlechte Erfahrungen mit Gruppen gemacht, nicht dazuzugehören oder ausgelacht zu werden. Vielleicht fällt es mir schwer, Grenzen zu setzen, oder das eigene Bedürfnis nach Zuneigung und Aufmerksamkeit zu kommunizieren. Vielleicht habe ich gelernt, nicht zur Last zu fallen, und eigene Bedürfnisse zu ignorieren.
Eine Gruppentherapie bietet die Möglichkeit, sich in einem geschützten Rahmen mit anderen Menschen über diese Dinge auszutauschen, sie gemeinsam besser zu verstehen und neue Erfahrungen zu machen. Grundlage des Vertrauens ist dabei die Schweigepflicht aller Beteiligten.
Ein geschützter Raum für neue Erfahrungen
In meiner Gruppentherapie kommen 6-8 Menschen unterschiedlichen Alters und mit verschiedenen Lebensthemen zusammen. Die Gruppe trifft sich wöchentlich für 100 Minuten und bietet die Möglichkeit, in einem geschützten Rahmen neue Perspektiven zu entwickeln und andere Verhaltensweisen auszuprobieren.
Was erwartet Sie?
Dabei kann man sich die Gruppe ein wenig wie ein soziales Experimentallabor vorstellen: Sie können hier Erfahrungen teilen, sich gegenseitig unterstützen und gemeinsam Schwierigkeiten verstehen und überwinden. Oft wiederholen sich in der Gruppe Muster aus dem Alltag – das bietet die Chance, diese zu erkennen und bewusst etwas Neues auszuprobieren.
Als themenoffene Gruppe bestimmen Sie selbst, was Sie einbringen möchten. Ob aktuelle Belastungen, Fragen zu sich selbst oder der Wunsch, die Perspektiven Anderer kennenzulernen – Sie entscheiden, wie Sie die Gruppe für sich nutzen.
Was macht die Gruppe wirksam?
- Die Erfahrung, mit den eigenen Schwierigkeiten, Gedanken, Fantasien, Impulsen nicht allein zu sein
- Das Gefühl von Zugehörigkeit und Wertschätzung
- Die Erfahrung, Anderen helfen zu können, und sich gegenseitig zu unterstützen
- Ehrliche Rückmeldungen: Wie sehen mich Andere? Wie gehe ich mit Anderen um?
- Hilfe bei der Wahrnehmung von schwierigen Gefühlen und Kommunikation von Bedürfnissen
- Erlernen sozialer Fertigkeiten wie Konfliktlösung, Toleranz und Einfühlung
- Lernen am Modell und neue Perspektiven: Gruppenmitglieder profitiert von den Erfahrungen, Lösungsansätzen und Bewältigungsstrategien der anderen Gruppenmitglieder
- Ein Ort, um frühe Familiendynamiken zu verstehen und Beziehungen anders zu gestalten
- Die Möglichkeit, sich von einer anderen Seite kennenzulernen
- Ein sicherer Rahmen mit strikter Schweigepflicht für alle Beteiligten
Können auch Einzelgespräche stattfinden?
Wenn wir in den Vorgesprächen gemeinsam zu dem Schluss kommen, dass eine Gruppentherapie für Sie hilfreich wäre, beantragen wir eine sogenannte Kombinationsbehandlung aus Gruppensitzungen und Einzelgesprächen. Der Fokus liegt dabei auf den Gruppensitzungen. Die in größeren Abständen stattfindenden Einzelgespräche können dabei helfen, die Inhalte der Gruppensitzung zu vertiefen und/oder sich Themen zuzuwenden, die stark schambesetzt sind. Auch zur Krisenintervention und Konfrontation mit traumatischen Erlebnissen, die den Rahmen der Gruppe übersteigen, können Einzelgespräche notwendig und hilfreich sein.